Kategorie: Fernsehen
Faszinierend intrigant
08.06.2007Die “Deep Space Nine”-Folge “The Maquis, Part 1″ ist ein gutes Beispiel dafür, wie gruselig schlecht die Star Trek-Serien oft ins deutsche übersetzt wurden.
Schon am Anfang der Folge passiert der erste grobe Fehler. Sisko sagt in einem Funkspruch “I’ve got every admiral within subspace range on my back.” Eine korrekte Übersetzung wäre: “Ich habe alle Admiräle in Subraum-Reichweite am Hals.” Die Übersetzer verwechselten wohl die Redewendung “to have someone on someone’s back” (=“jemanden am Hals haben”) mit dem Verb “to back” (=“jemanden unterstützen”), denn in der deutschen Version wurde aus dem Satz fast das Gegenteil: “Innerhalb des Subraums haben mir alle Admiräle ihre Unterstützung zugesichert.” Der Satz ist auch sonst sehr plump übersetzt, denn es handelt sich jetzt nicht mehr um alle Admiräle in Funkreichweite, sondern um alle Admiräle im Subraum - jemand, der Star Trek nicht kennt, könnte fast glauben, daß die Admiräle alle in einem Zimmer - dem “Subraum” - sitzen.
Dax ist bei “Deep Space Nine” ein “Symbiont”, ein Wesen, daß im Laufe seines Lebens in verschiedenen menschlichen Körpern “wohnt”. Zu der Zeit, zu der “Deep Space Nine” spielt, steckt Dax im Körper einer jungen Frau, aber einige kennen Dax noch aus einer Zeit, wo es im Körper eines alten Mannes lebte. So auch Commander Calvin Hudson, der erstaunt ist, als ihm Jadzia als “Dax” vorgestellt wird. Er sagt: “My Goodness! Well, you look a lot better than when last I saw you.” (=“Meine Güte! Sie sehen viel besser aus, als bei unserem letzten Treffen.”). Damit bezieht er sich natürlich auf den Unterschied von einem alten Mann zu einer attraktiven jungen Frau. Die Übersetzer verstanden diesen Teil des Dialogs aber komplett falsch und übersetzten den Satz mit “Meine Güte! Ich hatte eine wunderschöne Frau in Erinnerung, aber sie ist noch schöner geworden.” Wie so oft wäre eine simple wörtliche Übersetzung korrekt gewesen, aber die Übersetzer wollten wohl mal wieder die besseren Drehbuchautoren sein.
Später unterhält sich Calvin mit Sisko über Dax und sagt: “That woman knows more about me than any woman ever has. More than my wife even.” (=“Diese Frau weiß mehr über mich, als jede andere Frau je gewusst hat. Sogar mehr als meine Frau.”). Sisko stimmt ihm zu: “Tell me about it.” Diese Redewendung bedeutet so viel wie “Wem sagst du das?” Die Übersetzer kannten diese recht übliche Redewendung wohl nicht und übersetzten die Antwort mit einem ungläubigen “Du kannst mir viel erzählen!” - also eigentlich wieder dem Gegenteil einer Zustimmung.
Überhaupt hatten die Synchronautoren wohl insgesamt grundlegende Probleme mit der englischen Sprache. Der absolute Höhepunkt kommt gegen Ende der Folge, als eine Vulkanierin zu Quark sagt: “I do find you… intriguing, Quark.” (=“Ich finde Sie… faszinierend, Quark.”) In der deutschen Version wird daraus “Ich weiß ja wo ich ihn finde… den intriganten Quark.” Sowohl die Redewendung “to find someone intriguing” als auch das Wort “intriguing” als solches überstiegen wohl die limitierten Englischkenntnisse der Synchronautoren in diesem Fall.
Am vierten Mai sind wir bei Ihnen!
04.06.2007
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| Die Philosophie der Jedi: “Trial oder Error” |
Ein Übersetzungsfehler, der einem Simultandolmetscher bei N24 unterlief, war so interessant, daß er es sogar in Stefan Raabs Sendung “TV Total” geschafft hat.
George Lucas wurde in einem Interview gebeten, den wichtigsten Satz der “Star Wars”-Filme zu wiederholen. Zuerst kam er auf ein Zitat von Yoda: “Do or do not. There is no try.” (=”Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“) Zögerlich übersetzte der Simultandolmetscher: “Trial oder Error.” Danach kam Lucas auf den Satz, der eigentlich gemeint war: “May the Force be with you.” (=”Möge die Macht mit Dir sein.“). Der Dolmetscher verstand anscheinend “May the fourth be with you.” denn er übersetzte diesen Satz mit “Am vierten Mai sind wir bei Ihnen.”
Zugegeben, das Simultandolmetschen ist die schwierigste Form des Übersetzens, und man kann von einem Übersetzer nicht verlangen, daß er jedes Filmzitat der Kinogeschichte kennt, aber “May the Force be with you.” ist sicherlich eines der zehn bekanntesten Filmzitate überhaupt und ist im englischen Sprachraum auch außerhalb der “Star Wars”-Fangemeinde weitgehend bekannt. Die geschickteste Lösung wäre aber gewesen, das Filmzitat einfach unübersetzt zu lassen. Immerhin ging es bei dem Interview ja darum, daß man ein Zitat aus dem Mund des Regisseurs selbst hören wollte.
Hier ist der Link zu dem betreffenden Ausschnitt aus “TV Total”.
Star Trek Voyager: Angriff der Klon-Kims
18.04.2007![]() |
| Harry und Kim |
In der Star Trek:Voyager-Folge “Dame, Doktor, As, Spion” (”Tinker, Tenor, Doctor, Spy”) wurde in der deutschen Synchronisation Fähnrich Harry Kim - ein Mitglied der Mannschaft - offensichtlich geklont. In einer Szene sagt nämlich B’Elanna Torres im Original über den tagträumenden holografischen Doktor: “I routed his subroutines to holodeck 1 so Seven and Harry could monitor his fantasies.” Daraus wurde in der deutschen Version: “Seine Subroutinen wurden auf Holodeck 1 geleitet. Harry und Kim überwachen dort seine Fantasien.” Aus Harry Kim wird also das dynamische Duo “Harry und Kim”.
So ein Fehler wäre vielleicht nicht verwunderlich, wenn es um eine der ersten Folgen einer neuen Serie ginge, aber dies ist eine Folge der sechsten Staffel, und Harry Kim taucht in nahezu jeder Voyager-Folge auf. Trotzdem hat das gesamte Synchronteam inklusive Synchronsprecher und Synchronregisseur es geschafft, den Fehler nicht zu bemerken.
Futuristisch bewaffnete Polizisten
06.04.2007![]() |
| Ganz eindeutig: Ein Laser! |
Die meisten Synchronisationsfehler dürften bei vielen Zuschauern unbemerkt bleiben, und entstehende Logikfehler werden wahrscheinlich in den meisten Fällen eher als Inkompetenz des Drehbuchautors der Originalversion angesehen. Wenn allerdings wie in der Simpsons-Folge “Bart gewinnt Elefant” (“Bart gets an Elephant”) der Polizeichef sagt, daß den Polizisten die Uniformen und die “Laser” gestohlen wurden, und wenn man dann direkt danach einen Verbrecher mit einem “Taser” (also einer Elektroschockwaffe) sieht, dann weiß man auch ohne die Originalversion zu kennen, daß hier ein Übersetzer einen groben Fehler gemacht hat.
So ist es dann auch: Im Original sagt Chief Wiggum “Help! Help us! They stole our uniforms, guns and tasers!” was in den Untertiteln der deutschen DVD auch korrekt mit “Man hat uns Uniformen, Pistolen und Elektroschocker geklaut!” übersetzt wurde.
Silikonium - Teil 3
08.03.2007Oft sind die DVD-Untertitel eines Films um einiges besser übersetzt als der Film selbst (wie z.B. hier oder hier). Manchmal bauen die Übersetzer bei den Untertiteln aber auch zusätzliche Fehler ein. So zum Beispiel in der Simpsons-Folge “Der unheimliche Vergnügungspark” (”Itchy & Scratchy Land”, siehe auch hier). Homer erklärt Marge, daß man sich mit modernen Autos nicht verfahren kann, “What with all those silicon chips and such.” Die “gesprochene” deutsche Version ist grundsätzlich korrekt (obwohl sie “silicon” mit “Computer” statt mit “Silicium” übersetzt): “Bei den vielen Computerchips geht das gar nicht.” In den Untertiteln wird daraus aber:

Richtig wäre natürlich “Siliciumchips” gewesen. Daß viele Übersetzer den Unterschied zwischen Silikon und Silicium nicht kennen ist ja nichts neues.

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