Der Verlobte meines Bruders
16.09.2007
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| “Also ich hab jetzt komplett vergessen, ob es der Bruder meines Verlobten oder der Verlobte meines Bruders war. Ist das wichtig?” |
Im Film “Mondsüchtig” gibt Loretta (gespielt von Cher) während einer Beichte zu: “Once I slept with the brother of my fiancé” (=“Einmal schlief ich mit dem Bruder meines Verlobten.”). In der deutschen Synchronversion wird daraus: “Einmal habe ich mit dem Verlobten meines Bruders geschlafen.” Man sollte eigentlich meinen, daß es einen recht großen Unterschied macht, ob eine Frau ein Verhältnis mit dem Bruder ihres Verlobten oder mit dem Verlobten ihres Bruders hat.
Man muß übrigens die Originalversion gar nicht kennen, um zu bemerken, daß ein Fehler gemacht wurde, denn als der Priester, der Loretta die Beichte abnimmt, nochmal nachfragt, sagt sie auch in der deutschen Version korrekt, daß sie mit dem Bruder ihres Verlobten geschlafen hat. Offensichtlich hat da auch kurzzeitig das komplette Synchronstudio geschlafen.
Der Herr der besseren Drehbuchautoren
08.09.2007Die Übersetzung der “Herr der Ringe”-Filme ist in ihrer Qualität sehr durchwachsen, so daß man den Eindruck bekommen muß, daß der Film von mehreren verschieden kompetenten Übersetzern bearbeitet wurde. Es gibt einige Stellen die fast schon an Genialität heranreichen, weil unübersetzbare Sätze wunderschön frei aber trotzdem sinngemäß absolut korrekt übersetzt wurden. Andererseits gibt es einige Fehler und Inkonsistenzen, sowie viele “Besserwisser-Übersetzungen”, wo eine relativ wörtliche Umsetzung des Originals möglich gewesen wäre, wo der Übersetzer sich aber anscheinend für den besseren Drehbuchautor hielt. Um diese Besserwisser-Übersetzungen in “Die Gefährten” (”The Fellowship of the Ring”) soll es hier gehen.
Das folgende mag etwas pingelig erscheinen - eine gewisse Freiheit sollte einem Übersetzer sicherlich zugestanden werden. Allerdings zeichnen sich die “Herr der Ringe”-Filme durch eine immense Liebe zum Detail aus, die sich eigentlich auch in der Übersetzung (und in der Bewertung dieser Übersetzung) wiederfinden sollte. Außerdem feilen Drehbuchautoren über Monate an einem Drehbuch und hatten - zumindest bei besseren Filmen - im allgemeinen einen Grund für die Wortwahl in jedem Dialog. Von daher ist es etwas befremdlich, wenn ein Übersetzer diese Wortwahl kurzerhand verwirft. Zudem sind die folgenden Beispiele im “Herr der Ringe” keineswegs eine Ausnahme.
Als jemand während Gandalfs Besuch in Beutelsend an die Haustür klopft, sagt Bilbo “I’m not at home!” (=“Ich bin nicht zu Hause!”). In der Übersetzung lautet der Satz “Ich tu so als ob ich nicht zu Hause bin!” Es scheint fast so, als wolle der Übersetzer vermeiden, daß unbedarfte deutsche Zuschauer sagen “Aber natürlich ist er zu Hause. Was erzählt er für einen Unsinn?” Der Zusatz “Ich tu so als ob” ist eine unnötige Erklärung für Doofe. Außerdem wird der Satz dadurch extrem verlängert, was es den Synchronsprechern auch nicht gerade einfach macht.
Als Saruman und Gandalf über das Auge Saurons sprechen, sagt Saruman “You know of what I speak, Gandalf: a great Eye, lidless, wreathed in flame.” und Gandalf antwortet “The Eye of Sauron!” (=“Das Auge Saurons!”) In der deutschen Übersetzung bleibt davon nur “Ja… Sauron!” Auch hier wäre eine wörtliche Übersetzung nicht nur sinnvoller sondern auch lippensynchroner gewesen.
Boromir sagt über seinen Vater zu Aragorn “My father is a noble man, but his rule is failing.” was in der deutschen Version übersetzt wird mit “Mein Vater ist ein edler Mensch, aber er ist ein schwacher Herrscher.” Das gibt nicht wirklich die Bedeutung des Originals wieder. “his rule is failing” beschreibt einen Prozeß, während “er ist ein schwacher Herrscher” einen Zustand beschreibt. Viel besser wäre zum Beispiel “Mein Vater ist ein edler Mann, aber seine Macht schwindet.”
Als die Entscheidung fällt, durch die Minen von Moria zu gehen, sagt Gandalf “So be it!” was im Deutschen sinnidentisch (und relativ lippensynchron) mit “So sei es!” übersetzt werden könnte. Warum der Übersetzer das viel längere “Dann ist es beschlossen!” daraus macht, ist recht unverständlich.
Gimli ruft in Moria “There is one dwarf yet in Moria who still draws breath.” und die Übersetzer machten daraus “Es gibt immer noch einen Zwerg in Moria, der noch nicht zu Staub zerfallen ist.” Es ist nicht klar, warum die Übersetzer keine wörtlichere Übersetzung wählten, wie zum Beispiel “Es gibt einen Zwerg in Moria, der noch atmet!” Dies wäre auch für den Synchronsprecher viel einfacher gewesen, denn der Originalsatz hat 13 Silben, die “offizielle” Übersetzung hat 21 Silben, und die wörtlichere Übersetzung hätte 13 Silben gehabt.
In der Originalversion ruft Boromir Frodo “You fool!” hinterher. Anstatt das wörtlich mit “Du Narr!” zu übersetzen, machten die Übersetzer daraus “Du verfluchter Narr!” Hier liegt allerdings die Vermutung nahe, daß man versuchte, einen gewissen Grad von Lippensynchronität zu erreichen.
Als die Uruk-Hai nach Frodo suchen ruft ihr Anführer “Find the halfling!” (=“Findet den Halbling!”) was im Deutschen zu “Findet die Halblinge!” wird. Sicherlich nur ein kleiner Unterschied, aber warum wird der Numerus bei der Übersetzung nicht einfach übernommen?
Ein Beispiel, das am besten zeigt, wie der Hang zur unnötig freien Übersetzung die Qualität eines Filmes durchaus reduzieren kann: Zum Ende des Films versucht Sam, Frodo hinterherzuschwimmen. Frodo ruft “I’m going to Mordor alone!” worauf Sam antwortet: “Of course you are! And I’m coming with you!” Darin steckt ein kleiner subtiler Wortwitz, denn Sam stimmt Frodo zwar zu, daß er allein nach Mordor geht - aber Sam fügt hinzu, daß er dabei sein wird. In der Übersetzung geht der Witz völlig verloren: “Ich werde allein nach Mordor gehen.” - “Natürlich gehst Du dahin! Und ich komm mit Dir!” In der Übersetzung bezieht sich Sam nur noch darauf, daß Frodo nach Mordor geht, nicht darauf, daß er allein dorthin geht. Dabei wäre es so einfach gewesen, die Intention der Drehbuchautoren mit der recht wörtlichen Übersetzung “Natürlich tust Du das! Und ich komm mit Dir!” zu bewahren.
Frohlocke und jauchze!
15.07.2007Die deutsche Version von “Krieg der Sterne - die Rache der Sith” ist teilweise recht schlampig übersetzt. Zum Beispiel sagt Amidala zu Anakin “Our baby is a blessing!” In der Synchronversion sagt sie “Unser Baby ist ein Wunder!” was durchaus eine andere Bedeutung hat als die wörtliche korrekte Übersetzung: “Unser Baby ist ein Segen!”
Auch als Anakin zu Amidala sagt “The Jedi turned against me.” (=“Die Jedi haben sich gegen mich gewandt.”) änderten die Übersetzer die Bedeutung, denn in der deutschen Version sagt Anakin “Dieser Jedi hat sich gegen mich gewandt.” Dies soll sich auf Obi-Wan beziehen, aber das war nicht die Intention in der Originalversion - ansonsten hätte Anakin “This Jedi turned against me.” gesagt.
Ein wenig zu weit gingen die Übersetzer bei der Aussage von Yoda “Rejoice for those around you who transform into the Force.” Dies könnte man zum Beispiel mit “Freue dich für diejenigen in Deiner Nähe, welche zur Macht übergehen.” Das Wort “rejoice” hat allerdings einen religiösen Beigeschmack, weshalb man es auch durchaus mit “frohlocken” übersetzen könnte. Das war den Übersetzern wohl noch nicht enthusiastisch genug, weshalb Yoda in der deutschen Version sagt: “Frohlocke und jauchze für diejenigen in Deiner Nähe, welche zur Macht übergehen.”
Political Korrektheit
08.07.2007In vielen Filmen werden Dialoge aus Gründen der politischen Korrektheit bewußt “falsch” übersetzt. Teilweise ist dies durchaus sinnvoll und zeigt ein gewisses Fingerspitzengefühl bei den Übersetzern, aber teilweise hat man den Eindruck, daß die Filmverleihe in Deutschland Angst haben, daß Filme, die bestimmte Schlüsselwörter enthalten, in Deutschland weniger Erfolg hätten.
Eines der bekanntesten Beispiele ist der erste “Stirb Langsam”-Film. Die Terroristen im Film sind in der Originalversion Deutsche. In der deutsch synchronisierten Version wurde aus dem Anführer “Hans Gruber” dann “Jack Gruber”, und auch die anderen Terroristen werden umbenannt. An sich kann man damit leben - es wird nur kurios, wenn John McClane sich die (deutschen) Namen der Terroristen aufschreibt oder wenn im dritten “Stirb langsam”-Teil dann doch von “Hans Gruber” die Rede ist.
Im Film “Das Fünfte Element” geht auf diese Art auch ein kleiner Witz verloren. Als der Professor am Anfang des Films im Jahr 1914 den gepanzerten Aliens begegnet, fragt er sie im englischen Original “Are you Germans?” (=“Sind Sie Deutsche?”). In der deutschen Version wurde daraus einfach “Sind Sie hier von der Erde?”
Als Sandra Bullock in “Miss Undercover” ihre Doughnuts an ihren Trainer abgeben muß, nennt sie ihn in der Originalversion einen “Doughnut-Nazi”. In der deutschen Version wurde das mit “Doughnut-Schnüffler” übersetzt. Dies ist sicherlich sinnvoll, denn im amerikanischen Sprachgebrauch wird das Wort “Nazi” oft einfach für penetrant korrekte Personen verwendet, während es den meisten Deutschen nicht ganz so locker über die Lippen geht. Andererseits ist aber der “Soup Nazi” in der “Seinfeld”-Serie auch in der deutschen Version ein “Suppen-Nazi” geblieben.
In “Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück” wird Bridget von ihrer Mutter getadelt: “You’ll never get a boyfriend if you look like you’ve wandered out of Auschwitz.” (=“Du kriegst nie einen Freund, wenn Du aussiehst als wärest du gerade aus Auschwitz gekommen.”). In der deutschen Version wurde das zu “Du kriegst nie’n Freund, wenn Du aussiehst als würdest du unter der Brücke wohnen.” Dies dürfte auch eine sinnvolle Änderungen sein, da die Übersetzer wohl die deutsche Vergangenheit nicht verharmlosen wollten. Allerdings geht so ein wenig der Charakter von Bridgets Mutter als extrem “politisch unkorrekte” Person verloren. So auch bei einer anderen nicht ganz so offensichtlichen Änderung, wo ihre Mutter im Original sagt “His wife was Japanese. Very cruel race.” (=“Seine Frau war Japanerin. Ausgesprochen grausame Rasse.”). In der deutschen Version wurde “race” einfach mit “Volk” übersetzt, wahrscheinlich weil das Wort “Rasse” in Deutschland ein potentielles Reizwort ist (was allerdings in “Star Wars - Episode 1” kein Problem darstellte).
Wie soll ich das übersetzen? Ich weiß es nicht!
01.07.2007Die “Blues Brothers” haben für diese Seite schon einiges an Material geliefert (siehe hier, hier und hier), aber das war noch nicht alles.
Als die Blues Brothers im Bluesmobil umherfahren, um ihr Konzert anzukündigen, ruft Elwood unter anderem durch’s Megafon: “Tonight only, the fabulous Blues Brothers…” (=“Nur heute Nacht, die fabelhaften Blues Brothers…”). In der deutschen Version wird daraus der komplett wirre Satz “Und ich weiß, die fabelhaften Blues Brothers…”.
Schon bei der Planung des Konzerts geht einiges schief. Ihr Agent sagt ihnen zum “Palace Hotel Ballroom”: “That seats 5000.” (=“Da gibt’s 5000 Plätze.”). Den Übersetzern war die Zahl “5000″ wohl etwas zu hoch gegriffen, also übersetzen sie: “Da gehen über 4000 rein.”
Als die Blues Brothers mit ihrem Agenten darüber diskutieren, wo sie denn spielen könnten, sagt Elwood “Put us in the Double Up Lounge, or the Morgan Park Theatre, or the Crystal.” (=“Bring uns in die Double Up Lounge, oder ins Morgan Park Theatre, oder ins Crystal.”). Ihr Agent antwortet: “Discos. They’re all discos.” (“Discos. Das sind [jetzt] alles Discos.”). Das ist wohl eine Anspielung auf die Disco-Welle der 70er-Jahre, der sicherlich einige Konzerthallen zum Opfer gefallen waren (John Belushi hasste Disco-Musik). Anstatt den Satz einfach wörtlich zu übersetzen machte man in der deutschen Version daraus: “Tja, was soll ich machen? Ich weiß es nicht.”


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